14/03/2026 0 Kommentare
Was wächst, wächst still
Was wächst, wächst still
# Spiritualität

Was wächst, wächst still
Er hatte seine Frau nicht aus Liebe geheiratet – damals vor über sechzig Jahren. Er hatte eine Mutter für seine fünf Kinder gebraucht, die nun Halbwaisen waren. Und zwei tatkräftige und praktische Hände für Haus und Hof. Doch wie steht er heute da auf dem Friedhof vor ihrem Kreuz? Den schwarzen Mantelkragen hochgeschlagen ringt er um Fassung, hält sich mühsam aufrecht, gestützt, umgeben von den vier noch lebenden seiner ehemals elf Kinder. Kein Zweifel: Es hat Liebe gegeben in dieser langen Ehe.
Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt, Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün. So dichtete Jürgen Henkys nach Joh 12, 24: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
„Das Leben geht weiter!“, versucht ein wohlmeinender Nachbar den gebeugten Alten aufzurichten. „Nein, das Leben geht nicht einfach weiter! Es will wachsen und reifen für den, der es uns geschenkt hat.“ Er muss es wissen: er hat vielen Kreaturen ins Leben geholfen und vieles wachsen gesehen. Was wächst, wächst still. Und es braucht dazu beides, Sonne und Regen. Freude und Leid. Stille und Bewegung. Wir können es nicht groß ziehen. Wir können nur, damit es stark wird und Frucht bringt, Wildwuchs entfernen und düngen. Dass auch auf den Gräbern Blumen sprießen, soll uns ein Zeichen sein dafür, dass uns Leben blüht.
Aus dem Leben des Mannes aus Nazareth, der in Jerusalem in die Erde gelegt wurde, hat sich Großes entwickelt. Gutes. Viel Frucht – auch noch für uns heute reicht es. Leben in Fülle. Er selbst hat es angekündigt in seinem Wort vom Weizenkorn.
Wir bedenken und feiern das in diesen Wochen. Mit Fasten und Festen. Passion und Ostern. Leben, vorübergehend zur Ruhe gebettet, bricht auf ins Helle. Greifbar und spürbar, wohltuend wird es in den Gottesdiensten im Mittelpunkt stehen.
So wünsche ich Ihnen in diesem Frühjahr, dass die Liebe wachse in Ihrem Leben!
Ihr Pfarrer Andreas Schütz
Kirchengemeinde Wildunger Walddörfer
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