15/09/2026 0 Kommentare
Misa a Buenos Aires in der Stadtkirche von Bad Wildungen begeistert
Misa a Buenos Aires in der Stadtkirche von Bad Wildungen begeistert
# Kirchenmusik

Misa a Buenos Aires in der Stadtkirche von Bad Wildungen begeistert
Mit langanhaltendem Applaus und großer Begeisterung quittierte das Publikum die Aufführung der Misa a Buenos Aires des argentinischen Komponisten Martin Palmeri in der vollbesetzten Stadtkirche Bad Wildungen. Das außergewöhnliche Werk, auch als „Misatango“ bekannt, verband auf eindrucksvolle Weise die spirituelle Tiefe der Messliturgie mit der emotionalen Ausdruckskraft des Tango Argentino und wurde zu einem musikalischen Erlebnis von besonderer Intensität.
Tango ist weit mehr als ein Tanz. Er ist Ausdruck von Sehnsucht, Leidenschaft, Schmerz und Lebensfreude zugleich. Seine Wurzeln liegen in den Einwanderervierteln von Buenos Aires, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft Ende des 19. Jahrhunderts ihre Hoffnungen, Enttäuschungen und Träume in Musik und Tanz verwandelten. Diese emotionale Kraft macht sich Martin Palmeri in seiner Misa a Buenos Aires zunutze. Ihm gelingt ein faszinierender Brückenschlag zwischen der sakralen Tradition der Messe und der Klangwelt des modernen Tangos.
Bereits das eröffnende „Kyrie“ zog die Zuhörerinnen und Zuhörer in seinen Bann. Klage, Sehnsucht und inniges Bitten fanden hier ebenso ihren Ausdruck wie die rhythmische Unruhe suchender Menschen. Im temperamentvollen „Gloria“ entfalteten sich Lebensfreude und tänzerische Energie, während das „Credo“ die gesamte emotionale Spannbreite des Werkes offenbarte: von festlicher Klangpracht über die tiefe Trauer angesichts des Kreuzestodes Christi bis hin zur mitreißenden Freude der Auferstehung.
Besonders eindrucksvoll gelang auch die Gestaltung von „Sanctus“ und „Benedictus“, in denen sphärische Klänge, rhythmische Impulse und lyrische Melodiebögen zu einer eindringlichen spirituellen Atmosphäre verschmolzen. Im abschließenden „Agnus Dei“ kehrten Klage und Wehmut noch einmal wieder, ehe die Musik in der Friedensbitte „Dona nobis pacem“ allmählich zur Ruhe fand und in einem zarten Pianissimo verklang.
Maßgeblich zum Erfolg des Konzertes trugen die hochkarätigen Solisten und Instrumentalisten bei. Die Altistin Monika Schmid gestaltete die Solopartie mit großer Ausdruckskraft, klanglicher Wärme und beeindruckender Präsenz. Einen wesentlichen Anteil am authentischen Charakter des Werkes hatte Stephan Langenberg, dessen Bandoneonspiel die typischen Farben des Tango Argentino lebendig werden ließ. Am Flügel überzeugte Sebastian Fraatz, der nach seinem Abitur in diesem Herbst ein Studium der Kirchenmusik in Leipzig aufnimmt, mit musikalischer Reife und sensibler Begleitung.
Für die instrumentale Grundlage sorgte das Ensemble „Tango Caliente“, dessen Mitglieder aus dem Philharmonischen Orchester Bergisches Land hervorgehen. Die Musikerinnen verstanden es, die stilistische Vielfalt der Komposition mit Präzision und Leidenschaft umzusetzen.
Den klanggewaltigen Chor bildeten die Evangelische Kantorei Bad Wildungen, die Evangelische Kantorei Korbach sowie Gäste aus dem Kirchenkreis Twiste-Eisenberg. Unter der Leitung von Annette Fraatz entstand ein ausgewogener und zugleich ausdrucksstarker Gesamtklang, der die zahlreichen Facetten von Palmeris Werk eindrucksvoll zur Geltung brachte.
Die voll besetzte Stadtkirche bot den würdigen Rahmen für einen Konzertabend, der sakrale Musik und südamerikanische Leidenschaft auf einzigartige Weise miteinander verband. Die Begeisterung des Publikums spiegelte sich im langanhaltenden Applaus wider und machte deutlich, dass die „Misatango“ die Zuhörenden tief berührt hat.
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